Zum Geleit


"Geschichte schreiben ist eine Art,
sich das Vergangene vom Halse zu schaffen" -
Dieses Goethe-Wort passt als Motto für die Darstellung
von Geschichte in der Lokalzeitung.
Sich das Vergangene vom Halse zu schaffen,
bedeutet, die Verbindung zur Gegenwart herzustellen.
Unter diesem Aspekt ist auch die Serie
„Die Kinderschuhe der Demo­kratie" zu sehen,
die im Isar-Loisachboten im Sommer 1996 in 53 Folgen veröffentlicht wurde
und nun auf dieser Website komplett "nachgedruckt" wird.

Angefangen hatte die Serie dort, wo ein Jahr zuvor
"Ende und Neubeginn" geendet hatte,
mit der „Stunde Null" der Demokratie im Landkreis,
mit den ersten Kreistagswahlen am 28. April 1946.

Und sie endete mit der Abwahl von Landrat Willy Thieme
durch den näch­sten Kreistag zwei Jahre später.
Willy Thieme, geboren 1912 in Zürich, gestorben 1979 in Wolfratshausen,
ist die Schlüsselfigur der Nachkriegszeit im Landkreis.
Er war von 1946 bis 1948 Landrat,  in den 1950er Jahren
Abgeordneter im Bayerischen Landtag und im Bundestag
und kehrte in den 1960er Jahren als Bürgermeister
nach Wolfratshausen zurück, bis zu seinem Abschied 1978
- ein eindrucksvolle Karriere.

Thieme schuf die Voraussetzungen dafür, dass - welch eine Zahl -
rund 12 000 Flüchtlinge im Landkreis integriert werden konnten.
Er bot der amerikanischen Militärregierung bei der Demontage
der Rüstungsfabriken die Stirn, und er legte den Grundstein
für die heutige Industriestadt Geretsried. Dass solche Verdienste
in der Politik nicht zählen, zeigte seine Abwahl am 12. Juni 1948.

Die Lebensumstände im Landkreis vor 60 Jahren
sind für die heutige Generation unvor­stellbar.
Trotzdem (oder gerade deshalb) ist es wichtig,
möglichst viel über das Leben unserer Eltern und Großeltern zu wissen, allein, damit wir verstehen, warum sie so sind, wie sie sind.
In die­sem Sinne viel Spaß beim Lesen.


Joachim Braun
Wolfratshausen, im August 2007






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