Meinl weltweit



Das böhmische Graslitz ist bis zum Zweiten Weltkrieg ein weltbekanntes
Zentrum der Produktion von Blechblasinstrumenten.
Viele Graslitzer kommen durch die Vertreibung nach Geretsried,
und die Musikinstrumentenindustrie erwacht hier zu neuem Leben.
1948 fangen Wilhelm Böhm und Andreas Meinl als erste
in Gartenberg neu an. Mit vier Firmen ist die Wiederbelebung
dieses Graslitzer Industriezweigs gelungen.

Am 15. Juni 1946 kommt Andreas Meinl mit seiner Familie
am Wolfratshauser Bahnhof an. In seiner Heimatstadt Graslitz
hatte Meinl für eine Instrumentenfabrik gearbeitet.

Karl Lederer, der spätere Bürgermeister Geretsrieds, stammt auch
aus Graslitz. „Er hat meinem Vater den Floh ins Ohr gesetzt",
erzählt Gerhard Meinl, Sohn des Firmengründers.
„Lederer sagte zu ihm: Die Fachleute sind da, aber sie haben
keine Arbeit - warum macht ihr euch nicht selbständig?"

Am 1. November 1946 ist es soweit: Die Firma Böhm & Meinl,
die heute „B & M Symphonik" heißt, wird gegründet.
Das Geld dafür kommt von der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung.
Aber aller Anfang ist schwer: „Nach dem Krieg hatte niemand Interesse
an Instrumenten", erinnert sich Meinl, „die Leute hatten andere Probleme."

Böhm & Meinl richten sich in einer Garage ein; zunächst werden
Instrumente nur repariert. Dann geht es aufwärts:
Vier Jahre später beginnt die Produktion in einem Bunker
an der St.-Hubertus-Straße. Von Hand werden hier Blasinstrumente
hergestellt. Meinl frischt Geschäftsverbindungen zu alten Kunden
seiner Graslitzer Firma auf; gerade in den USA ist die Nachfrage groß.

An Arbeitskräften fehlt es nicht: Viele Graslitzer sind froh,
in ihrem alten Beruf arbeiten zu können. Anfang der 50er Jahre
beschäftigen Böhm & Meinl bereits knapp zwei Dutzend Mitarbeiter.

Zur gleichen Zeit, im Jahr 1953, kommt die Firma Meinlschmidt
nach Geretsried. Seit 1866 hat sie in Graslitz Zylinderventile
für Blechblasinstrumente hergestellt. Nach der Enteignung 1946
verlässt Firmeninhaber Josef Meinlschmidt zwei Jahre später die Stadt.

„Mein Vater wollte schon früher raus", erinnert sich Sohn Herbert,
der jetzt das Unternehmen leitet. „Aber die Tschechen brauchten ihn
noch als Betriebsleiter." 1948 geht Meinlschmidt nach Marienborn bei Mainz,
wo er in einem ehemaligen Tanzsaal die Instrumentenproduktion
aufnimmt. Finanziert wird der Aufbau durch den Marshall-Plan:

Die Amerikaner gewähren zinsgünstige Kredite. Karl Lederer wird 1950
Bürgermeister in Geretsried. „Mein Vater kannte ihn von früher",
erzählt Herbert Meinlschmidt. „Er bot uns Grund und Boden
zu günstigen Bedingungen an." 1953 dann der Umzug: „Wir kamen
mit 11 Familien, alles Graslitzer", so Herbert Meinlschmidt.

Der Aufschwung beginnt: Der Dollar steht gut,
und die Firma bekommt viele Aufträge aus Amerika.
Die handgemachten Zylinder sind noch heute weltweit sehr begehrt.

Anfang der 50er Jahre startet in Geretsried auch Wenzel Meinl.
1949 hatte Meinl zunächst in Königsdorf-Osterhofen den Neuanfang
gewagt. Im selben Jahr kommt Neffe Franz aus der Kriegsgefangenschaft nach Lenggries. „Er las dann im Merkur, dass sein Onkel Wenzel
sich selbständig gemacht hatte," so erinnert sich dessen Sohn,
Ewald Meinl. Franz Meinl nimmt das Angebot seines Onkels an
und arbeitet für ihn: Er stellt Schallstücke für Blechblasinstrumente her.

1951 zieht Wenzel Meinl nach Geretsried. Fünf Jahre später verlässt
Franz Meinl das Familienunternehmen am Seniweg
(heutiger Eigentümer ist Gerhard A. Meinl) und gründet zusammen
mit Johann Lauber die Firma Lauber & Meinl und produziert selbst Schallstücke. Seit den 60er Jahren werden auch am Lerchenweg
historische Instrumente angefertigt. Jetzt heißt die Firma
„Ewald Meinl Musikinstrumentenbau".

Käzia Nipperdey







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