Schwarzer Sonntag



Alteingesessene Geretsrieder kennen den Begriff „Schwarzer Sonntag"
noch heute. Der schwarze Sonntag war der 3. Juli 1949, der Tag der Brandkatastrophe im Lager Buchberg - aber auch der Tag,
an dem sich endlich auch der Staat, über drei Jahre nach ihrer Ankunft,
der Flüchtlinge erinnerte und ein großes Wohnungsbau-Programm
in Angriff nahm. Und schließlich war das Großfeuer auch Auslöser
für die Gründung der Feuerwehr.

Ein Jahr später wurde das Lager vollständig aufgelöst.

Der 3. Juli 1949 ist ein heißer Tag. Gegen 14 Uhr bemerken
mehrere Lagerbewohner fast zeitgleich, wie aus der zweiten Baracke
in der linken Reihe dicker Rauch aufsteigt. Sie rufen „Feuer, Feuer"
- aber es ist schon zu spät. Die Baracke Nummer 9 brennt lichterloh,
schnell greift das Feuer auf zwei weitere Gebäude über.

Die Kriminalpolizei rekonstruiert den Hergang des Unglücks später so:
In einem Hohlraum zwischen der Barackendecke und der Blechverkleidung
eines Ofenkamins war es infolge auch der hohen Außentemperaturen
zu einer Funkenbildung gekommen - die Wand fing sofort Feuer.

Das trockene Holz brennt wie Zunder. Die Bewohner der Baracke
haben nicht einmal mehr die Zeit, ihre wenigen Habseligkeiten ins Freie
zu schaffen: Einige der etwa zwei Dutzend Familien, die durch das Feuer obdachlos werden, besitzen tatsächlich nur noch die Kleider, die sie
am Leib tragen.

Zum zweiten Mal in drei Jahren verlieren sie alles, was sie besitzen.

Bemerkbar macht sich auch das Fehlen einer eigenen Feuerwehr.
Bis die Brandbekämpfer aus Gelting, Wolfratshausen und Königsdorf
endlich eintreffen, behelfen sich die Lagerbewohner mit primitiven
Mitteln, sprich mit Eimerketten und mit Hand-Feuerlöschern
- aber der Erfolg ist gering.

Kein Wunder also, dass die Forderung nach der Gründung
einer eigenen Feuerwehr laut wird - und auch von staatlicher Seite
erhört wird. Kommandant der Lagerfeuerwehr, die mit einer tragbaren Motorspritze ausgerüstet wird, ist der Geltinger Lehrer Josef Kriegisteiner.

1951 löst ihn Ernst Schwägerl ab. Noch am Brandtag erscheint
Landrat Karl Reichhold mit einer hochrangigen Delegation,
zu der auch der amerikanische Hochkommissar gehört, im Lager.
Zur Linderung der größten Not stellt der Kreis 1000 Mark  zur Verfügung.

Die Arbeiterwohlfahrt schickt aus München einen Lkw mit Decken und anderen Hilfsgütern. Auch das Rote Kreuz verteilt Kleider, Wäsche und Lebensmittel. Die obdachlos gewordenen Familien bekommen
Notunterkünfte unter anderem auf Gut Schwaigwall und Gut Buchberg.

Die Solidarität der Lagerbewohner sorgt dafür, dass auch von den
nicht gerade wohlhabenden Flüchtlingen einiges an Hilfe kommt.
Zu allem Unglück hat die Staatsregierung im Jahr 1948 die Feuer-Versicherung nicht verlängert, so dass der Freistaat
auch selbst in der Pflicht steht: Er stellt 40 000 Mark für die Betroffenen
zur Verfügung.

Der Brand hat indes auch sein Gutes: Die Dringlichkeit des seit 1948 diskutierten Wohnbau-Programms wird endlich erkannt.
116 Wohnungen gelten, wie Landrat Reichhold im Kreistag sagt,
als besonders vordringlich, langfristig sind 1500 Wohnungen geplant.

Die ersten 32 Wohnungen am Kirchplatz können noch vor Weihnachten
1949 bezogen werden. Südlich davon, an der Kolbenheyerstraße,
werden anschließend acht weitere Blöcke gebaut (92 Wohnungen),
die bis Mitte Juni, zur Gemeindegründung, fertiggestellt sind.

Der Komfort ist gering: Es gibt weder Bad noch Heizung.
Fast gleichzeitig entstehen an der Egerlandstraße (südlich der heutigen
Petruskirche) 14 Ein- und Zweifamilienhäuser, die so genannten „Schwarzhäuser". Sie werden von den Bewohnern
zu sehr günstigen Konditionen erworben.





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