Eine neue Stadt



Auch wenn die jüngere Generation heute mit seinem Namen kaum noch etwas anfangen kann, seine Verdienste um Geretsried werden unvergessen
bleiben: Architekt Fritz Noppes startet 1946, nach der Vertreibung
aus seiner Heimat Eichenberg (im Sudetenland), in Geretsried
eine zweite Karriere, und er plante eine ganze Stadt.

Schon als junger Architekt macht sich Noppes, Jahrgang 1885,
mit einigen 1. Preisen bei renommierten Wettbewerben in seiner Heimat
einen guten Namen. Der Sudetendeutsche wird 1945 mit seiner Familie
in den Westen ausgesiedelt. Über die „Hilfsstelle für Flüchtlinge
aus den Sudetengebieten" wird er auf Geretsried aufmerksam.

Unentgeltlich fertigt er im Januar 1946 auf Butterbrot-Papier Skizzen
für „Sudeten-Siedlungs-Häuschen" und wird fortan von den Behörden
immer wieder zu Rate gezogen. Nur der gewünschte Umzug
nach Geretsried bleibt ihm versagt:

Nach einem kurzen Aufenthalt in der von den Vereinten Nationen
verwalteten ehemaligen jüdischen Schule in Wolfratshausen
(an der Rückseite des heutigen AWO-Heims) und im Pfarrhof,
findet die Familie in Ebenhausen ein neues Zuhause:

Noppes' Engagement für Geretsried wird dadurch indes nicht beeinträchtigt.
1949 entwirft er einen Wirtschaftsplan für Geretsried, in dem
die künftige Entwicklung der ein Jahr später selbständigen Gemeinde
vorgezeichnet ist: Zwei Ortsteile mit Industriegebleten verbunden durch
eine Hauptstraße und im geografischen Zentrum der Friedhof.

Nur in einem Punkt geht die Planung nicht auf: Das Lager Föhrenwald,
heute Waldram, kommt zu Wolfratshausen  und nicht zu Geretsried.
Der Tatendrang des über 60-Jährigen ist beinahe grenzenlos:
In einem Artikel „Raumplanung" schreibt Noppes
anlässlich der Gemeindegründung 1950:

„Unter Anpassung an die Gegebenheiten wirtschaftlicher und technischer Natur hat die Raumplanung die Gemeinde Geretsried im Idealbild
aufgebaut. Gelingt es, dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen,
so wird eine Gemeinde entstehen, deren äußerer Rahmen von
dem der bäuerlichen Gemeinden des Landkreises zwar verschieden ist,
an Eigenart und Harmonie hinter diesen jedoch nicht zurückstehen wird."

Im selben Artikel fordert Noppes eine Neutrassierung der B 11,
die „notwendigerweise an das sogenannte Schwaigwallplateau verlegt
werden muss" und den Bau einer Kirche gegenüber des Rathauses.
Dazu kommt es nicht: Der Architekt plant selber die Gestaltung
des Karl-Lederer-Platzes und auch des Neuen Platzes.

Auch die (alte) Adalbert-Stifter-Schule, ganze Siedlungen der 1950 gegründeten Baugenossenschaft, viele Privathäuser, der Waldfriedhof,
das Isarau-Stadion und zuletzt das Hallenbad entstehen auf dem Reißbrett des Ortsplaners. „Sein Lebensziel hat der stets kreative Architekt erreicht"
würdigte der damalige Bürgermeister Heinz Schneiders im Februar 1982
die Verdienste des im Alter von 86 Jahren verstorbenen Noppes. 




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