Geistlicher Beistand



Not leiden die Geretsrieder Neubürger bei ihrer Ankunft im Lager Buchberg
in vielerlei Hinsicht, auch am geistlichen Beistand fehlt es
in den ersten Monaten - aber nicht lange: Das Pfarramt Wolfratshausen
übernimmt sehr bald die Betreuung der überwiegend katholischen Heimatvertriebenen; der Kooperator Sebastian Kampfl hält
regelmäßige Gottesdienste für die Lagerbewohner ab.

Als Kirchenräume dienen der heutige kleine Sitzungssaal
und später auch die Vorhalle des Rathauses und
einstigen DAG-Verwaltungsgebäudes. Lagerbewohner Werner Sebb
erinnert sich daran, dass das damals noch vorhandene Hitler-Relief
an der Nordseite des Foyers - US-Soldaten hatten es als Zielscheibe verwendet - mit Altartüchern zugedeckt wurde.

Die evangelische Kirche war schon vor Ankunft
der ersten Heimatvertriebenen im Lager aktiv.
Unter Aufsicht der Amerikaner hielt der Wolfratshauser Pfarrer
Georg Weber bereits am 8. Juli 1945 vor deutschen Kriegsgefangenen
einen Gottesdienst ab. Das geht bis Herbst,
als das Gefangenenlager aufgelöst wird.

Pfarrer Weber sorgt nicht nur für geistlichen Beistand, er fungiert
auch als Postbote, in dem er Briefe aus und in das Lager schmuggelt.
Die Flüchtlinge, die 1946 kommen, müssen indes einen weiten Weg
zur Kirche nach Wolfratshausen in Kauf nehmen.

Sie gehen zu Fuß, viele sind barfuß. Erst am 15. August 1948 bekommen
die evangelischen Christen einen Kirchenraum zugewiesen,
in der Behelfsschule, dem heutigen Altenheim St. Hedwig.
Die erste feste Kirche wird im Jahr der Gemeindegründung, 1950,
ausgebaut - in der späteren Isarau-Gaststätte.

Zu dieser Zeit wird auch eine katholische Pfarrkuratie eingerichtet: Pfarrverweser ist der aus Schlesien stammende Pfarrer Alois Heske. Kirchenrechtlich eine schwierige Situation: Heske ist offiziell noch
Pfarrer im schlesischen Bielau. Da er keine zwei Pfarreien gleichzeitig
betreuen darf, wird das Geretsrieder Pfarramt nicht selbständig.

Die Messen werden im heutigen Rathaus und im Altenheim gelesen.
Aber schon im gleichen Jahr wird ein Bunker im Süden zur Kirche umgebaut
und ein weiterer in Gartenberg am Kirchplatz.



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