Tracht nicht akzeptiert

US-Militärregierung muss Vereine genehmigen



Trachtenvereine als politische Organisationen, ein Witz?
Keineswegs: Noch im Jahr 1948 verbot die amerikanische Militärregierung
in Wolfratshausen sämtliche religiösen und kulturellen Vereine.
Über diese und andere Auswüchse in der Arbeit des Statistik-Referats
im Landratsamt wird dem Kreistag am 30. Januar 1948 Bericht erstattet.

Mit der Übernahme der Macht in Wolfratshausen am 29. April 1945
erklärt die amerikanische Militärregierung sämtliche Vereine für aufgelöst
und erlässt Richtlinien zur Lizensierung von Vereinen,
die auch zwei Jahre später noch unübersichtlich sind.

Jedenfalls, so der Bericht, „hat die Militärregierung nur für einige wenige Gruppen von Vereinen die Ermächtigung zur Lizensierung erteilt",
für gesellige und brüderschaftliche Vereine (Logen), für Sportvereine, Jugendorganisationen, landwirtschaftliche Vereine und Wohlfahrtsverbände.

Die Tätigkeit von Trachtenvereinen war indes offiziell untersagt,
die der Schützenvereine erst recht, schon wegen der Auflagen
zur Entmilitarisierung Deutschlands. „Da es jedoch nicht angängig ist,
den Heimat- und Trachtenvereinen ihre Tätigkeit zu untersagen,
werden sie stillschweigend geduldet" - bis die Lizenz endlich doch erteilt wird.

Erschwerend für die Neugründung von Vereinen ist die Bestimmung,
dass „Mitläufer", also ehemalige Mitglieder der NSDAP mit geringer Schuld, zwar Vereinsmitglied werden, nicht aber eine Funktion wahrnehmen dürfen. Angesichts der Tatsache, dass fast alle, die bis 1945 Verantwortung hatten, Mitglied der Partei waren, bleiben nicht mehr viele mögliche Vorstände . . .




Tricksereien mit der Statistik

Das gleiche Referat, das sich mit Vereinsgründungen befasst,
schlägt sich auch mit Statistiken herum: Vor allem der Viehzählung
und der Bodennutzungserhebung kommt größte Bedeutung zu,
sind sie doch die Grundlage für Lebensmittel-Zuweisungen
durch die Besatzungsmacht.

Die Amerikaner vertrauen den deutschen Zahlen:
„Es kann hieraus aber nicht gefolgert werden, dass niedrigere statistische Zahlen erhöhte Lebensmitteleinfuhren zur Folge hätten."
Fälschungen, so die Sorge, würden die Amerikaner
misstrauisch machen und dazu führen, dass die Besatzungsmacht
„sich die erforderlichen Zahlen nach ihrer Methode beschaffen würde".

Daraus ergebe sich aber wohl eher eine Kürzung statt eine Steigerung
der Lieferungen. Das Misstrauen, so scheint es, ist gerechtfertigt:
„In Krisenzeiten ist der Bauer naturgemäß bestrebt,
sich Reserven zu schaffen." Die Versuchung sei groß, für die amtliche Statistik weniger Vieh und weniger landwirtschaftliche Flächen anzugeben.

Und tatsächlich: „Das Ödland wird immer größer." Die amerikanische Kritik, die Deutschen nutzten ihren Grund und Boden nicht, könne daher nur schwer entkräftet werden und schon gar nicht „durch die geläufige Bemerkung, Statistik sei doch nur eine andere Art von Lüge".

Die Forderung des Landratsamts: „Soweit es möglich ist, muss daher statistische Wahrheit angestrebt werden".




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