Neues Röntgengerät

Investieren vor der Währungsreform



Auf sein Krankenhaus ließ der Landkreis Wolfratshausen
auch in den schweren Zeiten nach Kriegsende nie etwas kommen:
Gesundheitsvorsorge war für den Kreistag stets ein bedeutsames Thema,
so wie in der fünften Sitzung am 2. Juli 1947.

Wie groß jedoch auch die Personalnot der öffentlichen Verwaltung
nach dem Krieg war - die Militärregierung entfernte alle ehemaligen Parteigenossen aus ihren Ämtern - zeigt der Stellenplan des Landratsamts, der in der gleichen Sitzung diskutiert wurde.

Rund 80 000 Reichsmark kosten die Baumaßnahmen im Krankenhaus. Inbegriffen ist ein neues Röntgengerät für die Chirurgie.
Kreisrat Schießl stößt sich an der Neuanschaffung:
„Erst vor kurzem hat man uns gesagt. dass die Röntgenanlage
modernsten Anforderungen entspricht."

Antwort der Verwaltung: „Die Innere Abteilung besitzt
eine moderne Röntgenanlage. Die in der Chirurgie genügt
nach Angaben der Arzte nicht mehr den gesteigerten Anforderungen.
Die Anlage wird täglich über das Maß beansprucht."

Die Umbau genannte Maßnahme im Krankenhaus
beinhaltet übrigens neben Reparaturen in erster Linie
die Beseitigung von Anlagen aus dem Krieg,
etwa des betonierten Fluchtstollens (870 Reichsmark),
der Splittermauern (250 Mark), des inneren Deckungsgraben (550 Mark)
und des Tarnanstriches (3000 Mark).

Das dabei gewonnene Holz soll als Brennstoff verheizt werden.
Aus der einstigen Entlausungsanstalt wird ein Lagerschuppen.
Ganz neu ist ein „Aufzugsanbau einschließlich Schwergewichtsschacht
am Ostbau" (15 900 Mark). Die Maßnahme erscheint
der Krankenhausverwaltung ebenso wie das Röntgengerät dringlich.

Kreisrat Fritz Bauereis, SPD, weiß warum: Es sei wichtig,
„die Rücklagen noch möglichst nutzbringend anzulegen,
da nach einer eventuellen Währungsreform Ausgaben in dieser Höhe
wohl nicht mehr so leicht möglich sind."

Die Arbeit der Kreisverwaltung erledigen im Übrigen,
wie aus dem in der Sitzung vorgelegten Stellenplan hervorgeht,
15 Beamte (darunter der Leiter der Kreissparkasse),
27 Angestellte und 21 auf Zeit eingestellte Hilfskräfte.

Die Diskussion über den Stellenplan ist (wie 1996 noch immer, d. Red.) kontrovers. Martin Eichner aus Lochen kritisiert ebenso wie Josef Schwaiger (Wolfratshausen) „zu viel höhere Beamtenstellen''. Außerdem sollten „Arbeiter der Stirn und der Faust" die gleiche Bezahlung haben.

Kreisrat Schießl möchte den Stellenplan bis nach der Währungsreform zurückstellen. Die Kontroverse schlägt sich auch im Abstimmungsergebnis nieder: 19 Kreisräte stimmen für den Stellenplan, 13 dagegen.




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