Benzin für die Feuerwehr

Kreistag verwaltet den Mangel


Die Klagen der Kreisräte sind heute dieselben wie vor 50 Jahren.
In der Sitzung am 25. November 1946 beschwerten sich
Hans Friedrich Graf von Pocci und Martin Eichner darüber, Sitzungsunterlagen nicht rechtzeitig bekommen zu haben
und deshalb über Themen entscheiden zu müssen,
die sie nicht genau genug kennen.
Die gleiche Klage ist dem heutigen Landrat Manfred Nagler
wie auch seinem Vorgänger Dr. Otmar Huber wohl bekannt.

Gleichwohl zeigt sich der Kreistag von 1946 in seiner dritten Sitzung
am 25. November als funktionierendes Gremium.
Einstimmig beschließt der Kreistag den endlich vorgelegten Haushaltsplan
für 1946. Er hat ein Volumen von 2,1 Millionen Mark.

Für die Kreisumlage gilt ein ganz besonderer Schlüssel:
Sie wird auf  „12 Reichsmark pro Kopf
der Nährmittelbevölkerung in der 89. Zuteilungsperiode" festgesetzt.
Es ist Nachkriegszeit, der Bezugsschein regelt die Nahrungsmittelverteilung.

Erstmals nach dem Krieg kann auch wieder an Investitionen,gedacht werden: Für die Einrichtung einer Internen Station des Krankenhauses Wolfratshausen gibt der Landkreis 60 000 Reichsmark aus.
Der Posten Röntgengerät und medizinische Einrichtung
verschlingt mit 44 000 Mark den Löwenanteil.

Mangels Platz ist sie nicht in der Klinik untergebracht, sondern auf dem Bruckmeier-Hof zwischen Wolfratshausen und Achmühle.
Das im Besitz des Marktes Wolfratshausen befindliche Anwesen diente während der Nazizeit als Gauschule der Deutschen Arbeitsfront (DAF).

Bei der Haushaltsberatung überwiegt - und das hat sich
bis heute nicht geändert - die Diskussion über kleine und kleinste Beträge. Alois Reiser aus Münsing etwa regt an, für die Landpolizei
einen kleinen Beitrag bereit zu halten, damit ein Polizeihund angeschafft werden kann, und Martin Eichner, Lochen, fordert Sonderzuteilungen
von Benzin für die Feuerwehr.

Einen besonderen Raum nimmt die Diskussion
über das Flüchtlingsproblem ein: Immerhin sind in der Nachkriegszeit
8000 Menschen in den Landkreis gekommen.
So fordert Alois Schießl aus Untermühltal mit Blick
auf die kleinen Landgemeinden „eine gerechtere Lenkung
des Flüchtlingsstroms", und auch Franz Geiger (Wolfratshausen)
beschwert sich darüber, dass wegen der vielen Flüchtlinge
kein Raum mehr für die einheimische Bevölkerung frei ist.

Teilweise müssen sich sieben Menschen ein Zimmer teilen.
Lösen kann Landrat Thieme diese Probleme nicht.
Immerhin gibt er bekannt, dass das Wohnungsamt künftig
wieder der Kreisbehörde unterstellt ist und dass dann nur noch
so viele Flüchtlinge aufgenommen werden sollen,
wie Wohnraum zur Verfügung steht.



Seitenanfang



Nächstes Kapitel

Voriges Kapitel