Es ist vorbei


Schäftlarn: Eine neue Brücke

In Kloster Schäftlarn, tief unten im Isartal, ist nur der Geschützdonner
zu hören. Die Amerikaner rücken an, immer wieder beschossen
von der sich zurückziehenden SS. Es ist der 30. April 1945, morgens 7 Uhr.

Der Kaufmann Ittlinger hißt am Eingang des Dorfes Hohenschäftlarn
eine weiße Fahne. Aber sofort ist die SS da, Ittlinger holt die Fahne
wieder ein, ihm droht die Erschießung. Der Frontlärm rückt näher.

Die Einschläge der Granaten sind vom Kloster aus deutlich zu sehen -
am östlichen Isarufer, dort wo sich schon Monate zuvor
600 deutsche Soldaten im Wald eingenistet haben.
Sie sollen den strategisch wichtigen Isarübergang verteidigen.
Gegen 17.35 Uhr an diesem Tag sprengt die SS auf ihrem Rückzug
die alte Holzbrücke.

Eine halbe Stunde später sind die Amerikaner da,
mit einer unverhältnismäßig großen Streitmacht:
Sechs schwere Panzer, zehn kleine, Lastwagen
und einige erbeutete deutsche Personenwagen.
Die Schäftlarner Bürger schwenken zur Begrüßung weiße Tücher.

Die Amerikaner rücken zur Isar vor. An der Brückenruine gibt es
eine kleine Schießerei. Verletzt wird niemand.
Die im Kloster lebenden Kriegsgefangenen bekommen den Auftrag,
die Häuser nach Waffen zu durchsuchen. Die eigentlichen Klosterräume bleiben allerdings unbehelligt. Einige untergetauchte deutsche Soldaten werden gefangen genommen.

Die Nacht zum 1. Mai verläuft sehr unruhig. Immer wieder wird
vom Klosterhof aus über die Isar geschossen. Am frühen Morgen
versuchen die Amerikaner, die Brücke wieder befahrbar zu machen.
Soldaten werden mit einem Hängeseil ans andere Isarufer gebracht
und suchen dort nach SS-Leuten.

Am nächsten Morgen ist der ganze Ort voll mit amerikanischem Militär,
mit Panzern, technischem Gerät, Transportern.
Neben der zerstörten Brücke wird in kürzester Zeit
eine Pontonbrücke errichtet. Ab 10 Uhr überqueren die Amerikaner die Isar, die kämpfenden Einheiten verlassen das Klosterdorf wieder.




Münsing: Werwölfe gegen Jabos

Dramatisch ist die Lage in Münsing vor dem amerikanischen Einmarsch.
Am 30. April besetzt eine Einheit der SS-Division "Götz v. Berlichingen"
den Ort und errichtet im Kirchturm einen Beobachtungsposten.

Von dort haben die Soldaten freie Sicht über das Ostufer des Würmsees (heute: Starnberger See), von wo die Amerikaner aus Richtung Norden (Starnberg) und Süden (Seeshaupt) erwartet werden.
Immer wieder überfliegen amerikanische Jagdbomber den Ort,
der zur Verteidigung bereit gemacht wird.

16-, 17jährige "Werwolf-Jungen", die von sonstwo gekommen sind,
schießen mit Gewehren auf die Flugzeuge. Die Münsinger bekommen es
mit der Angst zu tun: Wird der Ort nun vielleicht noch
von den Amerikanern bombadiert?

Der Pfarrer wendet sich an die verantwortlichen Offiziere.
Den Buben wird daraufhin das Herumballern verboten.
Auch ein Flugabwehr-Geschütz, eine Flak, zieht aus Münsing wieder ab.

Plötzlich werden die Amerikaner vom Kirchturm aus entdeckt.
Sie marschieren aus Richtung Seeshaupt nordwärts. Doch da geschieht etwas völlig Unerwartetes. Die US-Truppen drehen ab,
hin zum westlichen Seeufer. Die SS fürchtet eine List,
sie zieht sich aus Münsing zurück.

Erst am nächsten Tag, dem 1. Mai, rückt eine amerikanische Vorhut
in das Dorf ein - ohne Panzer. Tags darauf kommen auch die Tanks. Kampfhandlungen finden auf dem Gemeindegebiet nicht statt.




Königsdorf und Icking: Unblutig

Unblutig verläuft der amerikanische Einmarsch in Icking und in Königsdorf.
Am späten Nachmittag des 30. April ist am Ortseingang von Irschenhausen der erste amerikanische Panzer zu sehen. Eine größere Zahl
deutscher Soldaten, die den US-Truppen mit der weißen Fahne
in der Hand entgegengeht, wird sofort gefangen genommen.

Im Ortsteil Holzen rücken sechs Panzer und eine ganze Lastwagen-Kolonne ein. Aber die deutsche Einheit, die auf dem Gut stationiert war,
hat sich längst aufgelöst und abgesetzt.

Kampflos übergeben wird am 1. Mai auch Königsdorf.
Josef Blöckner fährt, die weiße Fahne schwingend,
auf einem Fahrrad den Amerikanern entgegen.

Der Krieg ist aus.




Dietramszell: Angst vor Plünderern

Eine Woche, bevor die US-Truppen die Dietramszeller Gemeindegrenzen überschreiten, wird die Bevölkerung aufgerufen, alle Wertsachen
in Sicherheit zu bringen. Schmuck, Möbel, Lebensmittel und Kleider
werden vergraben und versteckt.

"Auch Schnaps und Wein müssen verschwinden, weil besoffene Soldaten
so gefährlich sind wie schießende", erinnert sich Fritz Baer,
einst Volkssturmführer von Thankirchen. Im Kloster Dietramszell
wird versucht, 40.000 Liter Wein einer Münchner Firma einzumauern.

Als die US-Truppen kommen, bleiben Plünderungen jedoch die Ausnahme - anders verhalten sich indes die eigenen Leute,
die zurückziehenden SS-Einheiten. Maschinen, Autos und Fahrräder verschwinden, Lebensmittel und Wertsachen.
Hitlers besiegte Elite-Truppe bedient sich nach Belieben.





Seitenanfang



Nächstes Kapitel


Voriges Kapitel